Max Mayr

11. April 2009

Befreiung und Selbstbefreiung im KZ Buchenwald

Filed under: Buchenwald,Max Mayr — redaktion @ 4:00 pm

Am 11. April 1945 konnten sich die Gefangenen des KZ Buchenwald angesichts der vorrückenden US-Amerikanern selbst befreien, das Lagertor wurde nach langen Jahren des faschistischen Terrors von innen durch die Häftlinge geöffnet! In der Wikipedia z.B. wird der Konflikt, ob es nun eine Selbstbefreiung der Häftlinge war oder nicht, in meinen Augen (nur eingeschränkt) vertretbar dargestellt. Die Darstellung dort läßt sich mit dem, was ich aus verschiedenen Schilderungen erfahren konnte oder in diversen Dokumenten zu lesen ist, grob in Einklang bringen (wenn auch der Anteil der Selbstbefreiung in der Wikipedia viel zu gering bewertet wird, auch die Anzahl der Häftlingswaffen stimmt nicht). Auch die von Max Mayr geschilderte Version, daß es eine Selbstbefreiung angesichts einer Vorhut der US-Amerikaner war und ihnen dafür Dank gebührt, deckt sich in einigen Punkten mit der Darstellung in der Wikipedia zum KZ Buchenwald.
Schändlich finde ich dagegen den Versuch in Art einer revisionistischen Geschichtsschreibung, die Ereignisse so umzubiegen und zu instrumentalisieren, daß die Selbstbefreiung der Häftlinge umgedeutet und kleingeschieben oder gar völlig geleugnet wird. Das wird dem Andenken an die beteiligten Häftlinge, ihrem Mut und den tatsächlichen Ereignissen in keinster Weise gerecht. (Siehe auch die Chronologie auf der Homepage zur Gedenkstätte Buchenwald.)

Konzentrationslager Buchenwald – Befreiung 1945
Vor der Befreiung am 11. April 1945 wurde das KZ Buchenwald Stück für Stück unkontrollierbar. Die interne Widerstandsbewegung, die sich organisiert hatte, versuchte, die SS in die Irre zu führen und Chaos zu stiften. Sie versteckte verfolgte Häftlinge, Befehlen widersetzte man sich offen. Sie rief die Häftlinge zur Geschlossenheit auf. Bereits im August 1944 war es dem illegalen Lagerkomitee gelungen, anlässlich eines Bombenangriffes auf das KZ an Waffen aus einem der SS-Lager zu kommen. Diese wurden in den Blocks versteckt, vergraben oder eingemauert.

Als sich Anfang April 1945 die 3. US-Army dem Lager näherte, versuchte die SS auf Weisung Himmlers, das Lager zu evakuieren. Etwa 47.500 Menschen waren am 6. April 1945 im Konzentrationslager inhaftiert, 22.900 davon im Hauptlager, 18.000 in den Pferdeställen des Kleinen Lagers. 6.600 Juden waren schon am 5. April auf dem Gelände der Deutschen Ausrüstungswerke zusammengetrieben worden. Vom 7. bis 10. April 1945 verließen auf etwa 60 Routen 28.000 Menschen des Stammlagers und mindestens 10.000 Häftlinge der Außenlager das Konzentrationslager Buchenwald in Richtung der KZ Dachau, KZ Flossenbürg und Theresienstadt. Auf diesen Todesmärschen und Evakuierungszügen starben zwischen 12.000 und 15.000 Menschen.

Die Widerstandsgruppe bemühte sich, die Evakuierung zu verzögern, um möglichst vielen Häftlingen die Befreiung durch die Amerikaner zu ermöglichen. Man verfügte zwar über die von der SS entwendeten Waffen, an deren Einsatz war jedoch erst beim Herannahen der Amerikaner zu denken, da sie nichts gegen die Übermacht der Wachmannschaften hätten ausrichten können. Die illegale Lagerleitung setzte am 8. April 1945 über einen heimlich installierten Sender einen Hilferuf an die herannahenden amerikanischen Truppen ab. Die Amerikaner rieten zur Ruhe bis zur Befreiung. Am 11. April 1945 kam es zu Frontkämpfen in unmittelbarer Nähe des Lagers.

Gegen 11 Uhr begann die Ausgabe der Waffen an ausgewählte Widerständler, die sich auf eine bewaffnete Auseinandersetzung einrichteten. Um 12 Uhr begannen die noch verbliebenen Wachmannschaften, den Lagerbereich zu verlassen und Stellung im SS-Bereich oder im umgebenden Wald zu beziehen. Um etwa 14.30 Uhr erreichte eine Vortruppe der 6. Panzerdivision der 3. US-Armee den SS-Bereich des Konzentrationslagers. Die Häftlinge begannen daraufhin den Kampf am Torgebäude und den benachbarten Wachtürmen, wobei es ihnen gelang, einige nicht geflüchtete Angehörige des SS-Wachpersonals zu entwaffnen und das Lagertor zu öffnen. Um 16 Uhr waren das Lager und mit ihm etwa 21.000 Häftlinge befreit. Ein amerikanischer Lagerkommandant wurde am 13. April berufen. Die Selbstbefreiung, die nur unter der Deckung der US- Panzer stattfinden konnte, wurde später stark heroisiert, wie z.B. im Roman Nackt unter Wölfen. Die Anzahl der heimlich im Lager befindlichen Waffen war mit etwa 70 erbeuteten Waffen zu gering und die physische Verfassung der Häftlinge viel zu angegriffen, als dass ein effektiver Widerstand gegen das SS-Wachpersonal ohne Hilfe der amerikanischen Truppen möglich gewesen wäre. Die Vorstellung von einer komplett selbstständigen Befreiung des Lagers durch die Häftlinge wurde durch die DDR-Regierung forciert, da sie gut in den sozialistisch-antifaschistischen Gründungsmythos passte und eine Unterstützung durch den US-amerikanischen Klassenfeind als nicht opportun galt. Deshalb blieben die Widerständler unter den nichtkommunistischen Häftlingen unerwähnt. Nach der Befreiung konfrontierten die Amerikaner etwa 1.000 Einwohner der Stadt Weimar mit den Leichenbergen im KZ. Die Mehrheit dieser Bürger behauptete, nichts oder zumindest nichts Näheres von den Vorgängen im Lager gewusst zu haben.

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